Anschrift:

74542 Braunsbach

Im Rabbinat

 

Öffnungszeiten:

April - Oktober

2. und 4. Sonntag im Monat

14 - 18 Uhr

 

Ganzjährig

Anmeldung von Gruppen

und Führungen unter

Tel. 07906-8512 oder

Tel. 07906-940940

rabbinatsmuseum@braunsbach.

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Bei der Ausstellung im Rabbinatsmuseum wird unter anderem eine Thora, eine meterlange Schriftrolle, gezeigt. Foto: Färber
Bei der Ausstellung im Rabbinatsmuseum wird unter anderem eine Thora, eine meterlange Schriftrolle, gezeigt. Foto: Färber

Neues über Religionen
Ausstellung im Rabbinat widmet sich Christen, Juden und Muslime

Der jüdische Tanach, der islamische Koran und die Bibel liegen im Braunsbacher Rabbinat nebeneinander. Anhand der Schriften lernen die Besucher der Sonderausstellung die drei großen Weltreligionen besser kennen.

Von Oliver Färber, HALLER TAGBLATT vom 17.01.2009, Zeitungsverlag Schwäbisch Hall GmbH, www.hallertagblatt.de

Braunsbach. Jeder Besucher wird am Eingang des Braunsbacher Rabbinats persönlich von Hans Schulz willkommen geheißen. Die Tür zur Sonderausstellung öffnet sich. Auf einem Tisch sind mehrere Schriftrollen und Bücher ausgebreitet. Die Mitglieder des Fördervereins "Kultur im Rabbinat" (Kira) haben sich große Mühe gegeben: Unter der Überschrift "Heilige Bücher" stehen der jüdische Tanach, der islamische Koran und die christliche Bibel im Mittelpunkt der Ausstellung.

Hinter Glas zeigen die Braunsbacher das Stück, das ausschlaggebend für die Schau war: eine sogenannte Megillah oder Esterrolle. "Ihr Alterwird auf über 200 Jahre geschätzt", erklärt Elisabeth M. Quirbach, Vorsitzende von Kira. Dank der Vermittlung einer Dame aus Weißbach im Hohenlohekreis kam der Verein in den Besitz des antiken Stückes. Eine amerikanische Jüdin hatte die Schriftrolle gespendet. "Die Nachforschungen ergaben, dass ein Bruder ihres Großvaters 27 Jahre lang Lehrer in Braunsbach gewesen ist", so Quirbach. Die heilige Schrift sei von Generation zu Generation weiter gegeben worden.

Doch nicht nur für dieses Stück interessieren sich die Besucher: Auch alte christliche Bücher aus vergangenen Jahrhunderten sind zum Schmökern ausgestellt. "Für ältere Bücher haben wir Handschuhe bereit gelegt", sagt Quirbach. Gemeinsam mit Hans Schulz liefert sie den Besuchern Informationen zu den Exponaten. "Dazu muss man auch ein bisschen was erklären. Normal hat man ja so eine Thora noch nie in der Hand gehabt", sagt Schulz.

Beide präsentieren eine Jesaja- Rolle. "Die ist 7,34 Meter lang, die können wir hier auch nur teilweise ausrollen", so Quirbach. Sie zeigt auch eine Kopie, die ein Amerikaner mit einer Feder angefertigt hat. "Daran hat er acht Jahre geschrieben." Und nach einer Pause fügt sie hinzu: "Bei nur einem Fehler muss man von vorne anfangen."

Für die Besucher gibt's noch mehr Informationen: Etwa, dass der jüdische Tanach aus Thora (bedeutet Lehre), Mewi'im (Propheten) und Ketuwim (Schriften) besteht. Aus der Esterrolle, die neu im Bestand des Museums ist, wird beim Purim-Fest gelesen.

Brigitte Schneider ist aus Künzelsau ins Museum gekommen. "Ich bin zum ersten Mal hier", verrät sie. Ihre Großmutter sei in Dünsbach in der Judengasse geboren worden. "Und von den Großeltern haben wir noch viele jüdischen Sachen in unserem Besitz. Deshalb bin ich an dieser Ausstellung sehr interessiert", begründet sie ihren Besuch. Sie wolle engere Beziehungen zum Judentum erreichen. "Es ist schön, dass die Leute hier in Braunsbach so engagiert sind", lobt Brigitte Schneider die Arbeit der Kira- Mitglieder.

Info: Die Ausstellung ist auch am morgigen Sonntag ab 14 Uhr im Rabbinatsmuseum geöffnet.

Fritz deutet Celan
Im Rahmen der Sonderausstellung "Heilige Schriften" im Braunsbacher Rabbinat setzt sich am Montag, 19. Januar, der Haller Lyriker Helmut Fritz mit dem Gedicht "In den Rillen" von Paul Celan auseinander. Er wird von Hans Kumpf auf der Klarinette begleitet. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr.

Die Thorarolle wurde von einer Synagoge ausgesondert. Dass sie nicht wie üblich begraben wurde, sondern im Museum steht, hat Seltenheitswert. Fotos: Barbara Griesinger
Die Thorarolle wurde von einer Synagoge ausgesondert. Dass sie nicht wie üblich begraben wurde, sondern im Museum steht, hat Seltenheitswert. Fotos: Barbara Griesinger

"Erzählt von den guten Seiten"

Von Barbara Griesinger, Heilbronner Stimme, 03. Januar 2009, www.stimme.de

Braunsbach - Joel, Joseph Isaac, Abrah Simon - 22 Namen sind auf der Tafel aus dunklem Holz aufgelistet, die an ein großes Küchenbrett erinnert. Für eine Schnodertafel halten Experten das Ausstellungsstück im Braunsbacher Rabbinatsmuseum. Sie verzeichnet Gemeindemitglieder, die in der Synagoge aus der Thora vorlasen. Auf dieses Exponat ist Museumsmacherin Elisabeth Quirbach besonders stolz. Nicht nur weil Schnodertafeln seltene Stücke sind. Die Tafel ist zudem einer der wenigen Museumsschätze, die aus Braunsbach stammen und Zeugnis ablegen vom Jahrhunderte langen jüdischen Leben in der Gemeinde.

"Wir wollen zeigen, dass es nicht nur zwölf Jahre jüdisch-christliche Geschichte zwischen 1933 und 1945 gibt, sondern ein Jahrhunderte langes Miteinander", sagt Quirbach. Ein Miteinander war das, das nicht nur weit über Braunsbach hinausweist, wie die kleine Dauerausstellung im einstigen Rabbinatsgebäude von Braunsbach eindrucksvoll zeigt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war Braunsbachs jüdische Gemeinde schon gut und gerne 100 Jahre alt. Der erste bekannte Braunsbacher Rabbi, Isaac Pfeiffer mit Namen, ist um 1698 bezeugt.

Hoffaktor

"Die Gemeinde muss durchaus wohlhabend gewesen sein", so Elisabeth Quirbach, "sonst hätte sie sich einen Rabbi nicht leisten können." Und sie weiß auch warum: Damals lebten der Hohenloher Hoffaktor Falk Schlommel und sein Schwiegersohn und Nachfolger Hayum Henle in Braunsbach. Die Geldgeber des Fürsten Carl Albrecht zu Hohenlohe Waldenburg, Langenburg, Schillingsfürst und Cranichsfeld wohnten in der kleinen Gemeinde, weil Juden die Ansiedlung in Hohenlohe damals nicht gestattet war. Die Witwe des letzte Hoffaktors verkaufte ihr Haus schließlich 1834 für 1436 Gulden an den Braunsbacher Bezirksrabbiner. So wurde es zum Rabbinat, also zu Amtssitz und Wohnung des Rabbiners. Seit 2008 beherbergt es das erste und einzige Rabbinatsmuseum in ganz Europa.

Seligmann Grünwald war der Braunsbacher Rabbiner, der als Bezirksrabbiner fungierte und damit für die jüdischen Gemeinden im heutigen Kreis Schwäbisch Hall und darüber hinaus bis Künzelsau zuständig war. Dass dem so war, hatte einen simplen Grund: Das württembergische Emanzipationsgesetz, das Juden und Christen anno 1826 gleichstellte, forderte examinierte Rabbiner. Der Braunsbacher Rabbiner hatte als einer von wenigen Amtsinhabern dieses Examen. Bis 1913 blieb Braunsbach so Sitz des Bezirksrabbinats. Auch eine israelitische Schule wurde eingerichtet.

Gutes Miteinander

Schule gehalten haben dort auch Lehrer aus Hohenlohe. Zum Beispiel Julius Wissmann, Sohn des Künzelsauer Religionslehrers Selig Wissmann. Er unterrichtete, bis die Schule 1923 geschlossen wurde - mangels Kindern. 1936 wurde sie wieder eröffnet, nachdem im Nationalsozialismus jüdischen Kindern der Besuch staatlicher Schulen verboten wurde. Simon Berlinger aus Berlichingen unterrichtete dort zwölf Schüler aus Schwäbisch Hall, Künzelsau und Dünsbach. "Es gab keine Reibereien mit der Braunsbacher Bevölkerung", erinnert er sich. "Wenn wir am Sabbat kein Feuer anmachen durften, kamen die christlichen Familien und machten das für uns." Als jüdische Kinder von christlichen Kinder belästigt wurden, schaltete sich auf Berlingers Bitte Braunsbachs Bürgermeister ein und unterband die Pöbeleien. 1942 endet mit den großen Deportationen die jüdische Geschichte in Braunsbach.

"Wir möchten vor allem bei jungen Besuchern Toleranz zu wecken, Achtung für Andersdenkende und Andersglaubende", fasst Elisabeth Quirbach die Intention des Museum zusammen. Das Braunsbacher Museum tut dies, indem es dokumentiert, welch kultureller Reichtum durch Rassenwahn und Holocaust aus Deutschland verschwunden ist.

"Erzählt von den guten Seiten. Sagt, was gut gewesen ist", legte Professor Meir Schwarz, der in Israel das Ashkenase Haus eröffnet und dem Braunsbacher Museum zu manchem Ausstellungsstück verholfen hat, den Museumsmachern Elisabeth Quirbach und Hans Schulz ans Herz. Dem fühlen sie sich verpflichtet. Dass Juden und Christen in Braunsbach friedlich miteinander lebten, belegen nicht nur Zeitzeugen, sondern auch Karten aus früheren Zeiten, auf denen man in Braunsbach jüdische Viertel, Ghettos gar, vergeblich sucht.

Jüdischer Alltag

Zahlreiche Exponate erwecken den jüdischen Alltag wieder zum Leben. Eine alte Thorarolle, siebenarmige Menoraleuchter, Kidduschbecher für den Weinsegen und mehrdochtige Hawdalakerzen für den Lichtersegen machen die Sabbatfeier anschaulich, zeigen ein Stück der Kultur, die Deutschland, die Hohenlohe lange Jahrhunderte mitgeprägt hat.

Vieles ist längst fremd geworden - etwa die Vorschriften der koscheren jüdischen Küche. Eine kleine Vitrine mit Lebensmitteln, die koscher und treife - rein und unrein - sind, regen zum Nachdenken an. Sind Gummibärchen koscher? Cheeseburger mit Fleisch und Käse in Gemengelage sind es auf jeden Fall nicht. Denn Milchiges und Fleischiges müssen jüdische Hausfrauen in der Küche streng trennen.

Manch fruchtbarer Austausch der Kulturen hat aber bis heute Spuren hinterlassen - in der Sprache etwa. Das Rabbinatsmuseum dokumentiert eindrucksvoll gängige Redewendungen deren jüdische Wurzeln kaum bekannt sind. Auch der gute Rutsch ins neue Jahr hat solche Ursprünge. Er leitet sich von Rosh hashana, der hebräischen Bezeichnung für den ersten Tag im neuen Jahr ab. Der gute Rutsch ist also nichts anderes als der Wunsch für einem guten Jahresbeginn.

Jüdische Geschichte ist Hohenloher Geschichte: Der Künzelsauer Julius Wissmann war vor seiner Emigration Lehrer in Braunsbach.
Jüdische Geschichte ist Hohenloher Geschichte: Der Künzelsauer Julius Wissmann war vor seiner Emigration Lehrer in Braunsbach.